
Foto: Michele Galassi, 2025
Ich hatte mehr Glück als Verstand, als ich 1999 die Aufnahmeprüfung an der Ecole nationale supérieure des Beaux arts in Paris bestand. Wenn ich im Nachhinein analysiere, wie ich es geschafft habe, liegt es an folgenden Charaktereigenschaften: Neugier und Offenheit. (Wenn ihr Euch für meine spätere Karriere interessiert, findet ihr ganz unten einen kurzen Lebenslauf…)
Ich hatte keine Ahnung von zeitgenössischer Kunst als ich, ein Aupairmädchen aus Deutschland, auf der Suche nach dem Sekretariat über den Hof der berühmten Schule lief und von zwei Studenten angesprochen wurde. Der eine, mit dem ich heute noch befreundet bin, bot mir auf charmante französische Art eine kleine Führung an. Ich verliebte mich sofort in den Ort (schaut selbst, wieso) und am Abend stand fest, dass ich dort- und nur dort- studieren wollte. Ich machte mich sofort an die Arbeit für die Mappe und glücklicherweise hatte ich die Idee, meinen neuen Bekannten um ein Feedback zu bitten. Er gab mir viele wertvolle Tipps, die sich hauptsächlich darauf bezogen, in Bezug auf Stil und Themen weniger klassisch zu arbeiten. Im Austausch mit ihm und seinen Kommilitonen bekam ich eine Idee davon, was in der zeitgenössischen Kunst alles möglich war, und ich ging in meiner freien Zeit fast nur noch in Museen, Galerien und die Bibliothek im Centre Pompidou. So schaffte ich es, irgendwie eine interessante Mappe zu erstellen.
Als ich alle Prüfungsetappen erfolgreich gemeistert hatte, wurde mir klar, was für ein Risiko ich eingegangen war und dass es sehr gut auch hätte schief gehen können. Alle anderen Mitstudentinnen im ersten Studienjahr hatten eine Ecole Préparatoire, d.h. einen Mappenvorbereitungskurs, gemacht und sich bei mehreren Schulen beworben. Ich war wirklich naiv gewesen, aber mein unbedingter Wunsch, Kunst an der ENSBA zu studieren und die Bereitschaft, mir die Voraussetzungen dafür strategisch und beharrlich anzueignen, haben mich vor einer großen Enttäuschung bewahrt.
Wenn ihr nicht so blauäugig vorgehen wollt, helfe ich gerne, damit auch Ihr, Euer Ziel erreicht.
Viele meiner Studienkollegen von damals arbeiten wie ich heute als freie Künstlerinnen und manche als Professorinnen an Kunsthochschulen in Frankreich aber auch in Deutschland. Im Dialog mit ihnen habe ich ein Konzept für die Mappenvorbereitung entwickelt, das den Fokus auf die Auseinandersetzung mit richtungsweisenden Vertreterinnen der zeitgenössischen Kunst legt. Ihr könnt fast alles an diesen Beispielen lernen und Euren ästhetischen Horizont auf ein ganz neues Niveau heben. Ohne es zu bemerken, werdet Ihr übersprudeln vor Ideen für Kunstwerke und Projekte. Einzige Voraussetzung: Offenheit!
CV – Katharina Ziemke
Ich bin Jahrgang 1979 und habe bildende Kunst an der Ecole Nationale Supérieure des Beaux-arts in Paris studiert. Ursprünglich als Malerin ausgebildet habe ich meine künstlerische Praxis durch Performance, Videokunst und Theater erweitert. Ich bin Gründungsmitglied des interdisziplinären Künstlerkollektivs AGOSTO in Berlin.
Es ist mir wichtig, über den Tellerrand der Kunstwelt hinauszuschauen, indem ich Natur- und Geisteswissenschaften als Material für meine künstlerische Praxis nutze. Mein neuestes Projekt (März 2025) ist die Videoinstallation Around Us The Sea über das Mittelmeer für das Goethe-Institut und das Institut français in Palermo, die in Zusammenarbeit mit einem Team von Meeresbiologen der Stazione Zoologica Anton Dohrn entstand. Im Jahr 2023 präsentierte Ich die Ausstellung Unwetter zum Thema Klimawandel im Lichthof Ost der Humboldt-Universität und in der Cité internationale des arts in Paris die Videoinstallation Marie. Diese kreist um die Giftschlangenexpertin Marie Phisalix als erste Frau, die am Naturhistorischen Museum in Paris forschte. Dieses Projekt entsand in Zusammenarbeit mit dem Muséum national d’Histoire natuerelle in Paris.
Ich arbeite regelmäßig mit dem Regisseur Thomas Ostermeier zusammen, für den ich Live-Painting-Performances entwickele, so auch 2024 für Die Möwe beim World Theatre Festival 2024 in Shizuoka (Japan), 2016 Professor Bernhardi an der Schaubühne, 2016 La Mouette am Théâtre Vidy-Lausanne und 2014 De Meeuw, Toneel Groep Amsterdam. Durch die Erfahrung am Theater inspiriert, habe ich eine Methode entwickelt, Aquarellbilder vor Publikum zu „performen“ und die Entstehung auf Film festzuhalten.
Meine Arbeiten waren international in Einzelausstellungen in der Humboldt-Universität (Berlin, 2023), im Espace d’art plastique (Vénissieux, 2017), der Schaubühne (Berlin, 2016), der Zürcher Gallery (New York, 2009) und dem Musée de l’Abbaye Sainte-Croix (Les Sables d’Olonne, 2008) zu sehen. ich nahm an Gruppenausstellungen bei der Draw Artfair in der Saatchie Gallery (London, 2019), im Centre d’Art Contemorain (Meymac, 2019), im Kunstquartier Bethanien (Berlin, 2015) und am Printemps de Septembre (Toulouse, 2008) teil.
Meine Arbeiten sind in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten, darunter Fonds national d’art contemporain (Frankreich), Collection de la Ville de Vénissieux (Frankreich) und Danske Bank (Dänemark). 2023 erhielt ich ein Stipendium für die Cité internationale des arts in Paris und 2025 vom KulturEnsemble Palermo (Goethe-Instutut und Institut Français).
Ich werde von der Galerie Isabelle Gounod in Paris vertreten.